Das größte Dauerprojekt im Internet

Das Informationsportal Wikipedia ist Fluch und Segen zugleich: Zum einen ist Wikipedia der Anlaufpunkt für jeden geworden, der in kurzer Zeit, ohne große Suche kompakte bis ausführliche Informationen über jedes beliebige Thema wünscht; zum anderen aber ist Wikipedia auch eine der Hauptursachen für die Zerstörung des klassischen Lexikavertriebs, das selbst aber in Tiefe und Qualität, leider viel zu oft notwendige Maßstäbe eines guten Lexikons nicht erreichen kann.

Das wichtigste Element Wikipedias sind seine Nutzer: Jeder User ist in der Lage ohne Anmeldung mit wenigen Klicks neue Artikel zu verfassen, bestehende zu ergänzen oder zu verändern oder in themenbezogenen Diskussionen mit anderen den Inhalt der Artikel zu hinterfragen und abzuändern. Jeder Mensch hat somit die Möglichkeit sein persönliches Fachwissen einem riesigen Lexikon hinzuzufügen, welches in der Lage ist dieses neu gewonnene Wissen in sekundenschnelle dem Rest der Welt zu präsentieren. Durch diese (vor wenigen Jahren noch revolutionäre Idee) wurde Wikipedia bald zum Schreckgespenst der klassischen Lexikaverbände. Hier werden detailierte Information zu jedem Themengebiet einfach so umsonst der Welt preisgegeben.

Doch der Vorteil des offenen Buchs, in dem jeder sein vermeindliches Wissen präsentieren kann, weist auch einige gravierende Probleme auf. So ist einer der Hauptkritikpunkte an der Online-Enzyklopädie die Anonymität der Schreiber. Es fehlt zu häufig der Quellenbezug zu den aufgezählten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und die Meinungsvielfalt der Autoren lassen einige Artikel zu einem Glaubenskrieg mutieren, in dem es weniger um den Informationsgehalt, als um Rechthaberei und Deformierung bestimmter Parteien geht. So ist es auch nachvollziehbar, dass in wissenschaftlichen Fakultäten Wikipedia nicht als Quelle anerkannt wird.

Heute ist Wikipedia viel mehr als ein reines Onlinelexikon. Es ist die Heimat einer besonderen Internetgemeinschaft, die sich ständig selbst weiterentwickelt, um die Qualität und den Wahrheitsgehalt der unzähligen Artikel zu erhöhen, ohne dafür irgendeine Bezahlung zu bekommen. Wikipedia ist durch seinen enormen Anlauf auch zu einem Forum politischer tragweite geworden, wie man an den jüngsten Veröffentlichungen geheimer Kriegsdokumente der Vereinigten Staaten sehen kann. Außerdem ist die Plattform durch ihre einfache wie effiziente Steuerung zur Grundlage einer kompletten Homepageart geworden: den Wikis, auf denen Fans bestimmter Serien oder Fachgebiete ihr Wissen ganz nach der Art Wikipedias präsentieren.